Geschichtliches - über 60 Jahre Corso


Das Filmtheater Corso wurde im Jahre 1948 gebaut. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde der Kinobetrieb zunächst von Frau Pip und danach von ihrer Tochter Liesel Beaupain-Pip geführt, wobei die 50er Jahre und der Anfang der 60er Jahre aufgrund mangelnder anderer Aktivitäten als eine Blütezeit des Kinos bezeichnet werden können. In vollbesetzten Bussen kamen scharenweise Kinobesucher ins St. Vither Filmtheater, das zu dieser Zeit 700 Plätze faßte. Mit dem verstärkten Aufkommen des Fernsehens in den 70er Jahren und der Videokassette Anfang der 80er Jahre erlebte der Kinosektor eine tiefe Krise, von der er sich jahrelang nicht erholen konnte. Viele Kinos im In- und Ausland mußten ihre Pforten schließen. Auch in St. Vith waren die Auswirkungen zu spüren, und so war es nicht weiter verwunderlich, daß Anfang der 80er Jahre nur noch sporadisch Filme eingesetzt wurden.

 

Anfang 1983 mietete das im Jahre 1957 gegründete St. Vither Volksbildungswerk das Filmtheater Corso. Für diese kulturelle Vereinigung ohne Erwerbszweck, die ihre Tätigkeiten bis dahin auf Theateraufführungen und Filmforum beschränkt hatte, waren die Verwaltung der Kino-Infrastruktur und der eigentliche Filmbetrieb völliges Neuland. Anfangs zeigte man die Filme noch im 16mm-Format, doch schon ab 1985 kamen verstärkt 35mm-Kopien zum Einsatz. Die 10-15 künstlerisch sehr anspruchsvollen Filme, die das Volksbildungswerk pro Jahr anbot, hatten eine beachtliche Zuschauerresonanz. Mit dem Ende der Kinokrise Ende der 80er Jahre wuchs auch die Anzahl der Vorstellungen.

 

Um den Kinobetrieb aber auf Jahre hinaus zu sichern und mit der technischen Entwicklung Schritt halten zu können, kamen die Betreiber nicht umhin, umfangreiche Renovierungsarbeiten vorzusehen. Die erste Phase umfaßte die Erneuerung der Technik. Mit Hilfe einer Sachspende der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung konnte im Juni 1991 eine völlig neue, moderne Ton- und Projektionsanlage in Betrieb genommen werden : ein neuer Strong-Projektor mit Dolby-Surround-Boxen, eine komplette 4-Kanal-Ton-Verstärkeranlage (SMART MOD IV), ein großer Subwoofer mit drei großen Signalhörnern sowie eine neue Leinwand. Diese Anschaffung führte zu einer erheblichen Verbesserung der Ton- und Bildqualtität. Bis dato mußten die Vorstellungen mit zwei alten Bauer-Projektoren und veralteten kleinen Boxen gefahren werden.

 

Ein Jahr später machte man sich an Phase 2, die die Installierung einer komplett neuen Bestuhlung vorsah. Obwohl man durch die neuen Stühle eine beträchtliche Anzahl Plätze - auch aus sicherheitstechnischer Sicht - verlor, erfüllte man ab sofort höchste Komfortansprüche. Einmalig : Auf dem Balkon wurde eine exklusive VIP-Lounge mit komfortablen Kinosesseln und Tischen eingerichtet. Salonatmosphäre pur. Die Sitzkapazität wurde von 108 Plätzen auf 37 reduziert. Auch der Saal- und Logenbereich wurde mit modernen Kinosesseln ausgestattet und zählt jetzt insgesamt 204 Plätze im Saal (Reihenabstand : 105 cm) und 28 Plätze in der Loge (Reihenabstand: 135 cm)

 

Im Oktober 1995 wurde das DTS-Digitaltonsystem im Kino Corso installiert, was zu einer weiteren spürbaren Verbesserung der Tonqualität führte. Das DTS-System bringt erstklassigen Diskretkanal-Digitalton in das Kino. Das ausgefeilte DTS-Verfahren ist der neue Qualitätsstandard für Kinos, da es eine exakte Kopie der Studio-Originalaufnahme bereitstellt. Dadurch wird mit dem Kino-Tonsystem eine noch nie dagewesene Leistung erzielt. Das DTS-System speichert die digitale Tonspur des Films auf einem modernen Computer-Datenträger, einer CD-ROM-Diskette. Dadurch werden eine Datenkapazität und ein Zuverlässigkeitsgrad erreicht, die von anderen digitalen Systemen, die die Tonspur direkt auf dem Kinofilm speichern, nicht erreicht werden. Das System liest den Timecode auf dem Film und spielt für jedes projizierte Bild den richtigen Ton, wodurch Schnittstellen und nicht digitale Ausläufe automatisch untergebracht werden. Das System überprüft sogar eine im Timecode und auf den CD-ROM-Digitaldatendisketten eingegebene Seriennummer, um zu gewährleisten, daß die richtige Tonspur für den gerade gezeigten Film gespielt wird. Da DTS-Kopien sowohl eine konventionelle Stereo-Lichttonspur als auch einen DTS-Timecode aufweisen, kann ein und dieselbe Kopie für alle Kinos verwendet werden.

 

Die 3. und letzte Renovierungsphase, die von Anfang Mai bis Mitte Juli’97 dauerte, war die umfangreichste. Strenge Brandschutzauflagen, veraltete sanitäre Anlagen, eine mangelnde Gebäude-Isolierung und behindertenspezifische Auflagen zwangen das Volksbildungswerk zu einem weiteren finanziellen Kraftakt. Die gesamte Saalinneneinrichtung wurde komplett isoliert und mit ausgewählten Akustikplatten ausgestattet, deren Materialien mittels einer Computersimulation bestimmt worden waren und die den Brandschutznormen entsprechen. Der 50 Jahre alte Vorhang wurde durch einen neuen ersetzt.

 

Außerdem wurde ein Belüftungssystem installiert. Für die Rollstuhlfahrer wurde ein behindertengerechter Eingang realisiert. Der Toilettentrakt wurde komplett erneuert und um Behindertentoiletten erweitert. Im Foyerbereich wurden die Türen , das noch aus den vierziger Jahren stammende Kassenhäuschen und die Bar vollkommen restauriert und die Wände und Decken neu gestrichen. Eine neu eingerichtete Sitzecke in der Nähe der Bar lädt zum lockeren Plausch ein und gestaltet den Kinobesuch noch gemütlicher und angenehmer. Auch die Außentreppe mußte von Grund auf erneuert werden. Ein neuer Beleuchtungskasten ermöglicht jede Woche einen Blick ins aktuelle Kinoprogramm.

Unterstützt wurden diese Arbeiten von der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Stadt St. Vith. Aber auch das Volksbildungswerk St. Vith als Betreiber des Kinos mußte eine beträchtliche finanzielle Eigenleistung zu diesem ehrgeizigen Projekt mit einem Investitionsvolumen von 12,5 Millionen BEF (MWst. exkl.) beisteuern. Da von der Stadt St. Vith die Bahnhofstraße in Höhe des Kinos komplett erneuert wurde, verfügt das Kino jetzt in einem Umkreis von 100m über 180 markierte Parkplätze.

Das ehrwürdige St. Vither Filmtheater Corso ist nach diesen bedeutenden Renovierungen in neuem Glanz erstrahlt und wird modernsten Ansprüchen nunmehr voll und ganz gerecht.